Linus, diesmal ohne Lucy

Ob ein Buch interessant genug ist, es sich zulegen und lesen zu wollen, entscheidet sich oft über einen originellen Titel. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, und Übersetzungen können da auch einiges versauen: Hätte ich beispielsweise nicht gewusst, dass „Level X“ von David Ambrose („Der letzte Countdown“, „D.A.R.Y.L. – der Außergewöhnliche“) in Wirklichkeit „The Man Who Turned Into Himself“ heißt, hätte ich es wahrscheinlich nicht so attraktiv gefunden. Na, jedenfalls könnt ihr euch denken, warum ich mir „Linus Lindbergh und der Riss in der Zeit“ vom Sauerländer-Verlag (gehört übrigens zur gleichen Verlagsgruppe wie der legendäre DUDEN) für meine nächste BloggDeinBuch-Rezension ausgesucht habe.
Es handelt sich hierbei um den ersten Teil einer neuen (und der ersten) Kinderbuch-Reihe des Autors Tobias Elsäßer, Jahrgang 1973 (dazu sag‘ ich jetzt mal nix, sonst grenzt das an Eigenlob 😉 ). Im Mittelpunkt steht eine ganze Familie Lindbergh, die – der Name lässt es erahnen – im Schatten des Towers des Flughafens Kesselheim wohnt und praktisch komplett aus Erfindern – mehr oder weniger „verrückt“ – besteht. Klar, dass die auch eine Zeitmaschine in der Sammlung haben (und einen Roboter, dessen Kleidungsstil mich auf den Illustrationen irgendwie an einen gewissen Doktor Emmett Brown erinnert).
Linus Tizian Lindbergh selbst hat allerdings bis jetzt mit seinen Erfindungen weniger Erfolg gehabt, ist dafür aber ein umso begeisterter Tester der Gerätschaften seines Großvaters. Überhaupt lebt das Buch von den teilweise schrägen, teilweise irre nützlichen Erfindungen, die der Autor in die Handlung einfließen lässt.
Elsäßer pflegt einen erfrischend humorvollen Stil, ohne dabei – wie bei manchen Kinder- und Jugendbüchern üblich – das sprachliche Niveau allzusehr „herunterschrauben“ zu müssen.
Man merkt dem Buch aber doch an, dass es als erster Teil einer Trilogie (nächster Band im Herbst 2012?) gedacht ist – es muss eine Menge Exposition geleistet, die Charaktere erst einmal richtig zum Leben erweckt werden, und einige wichtige Handlungsfäden sollen wohl erst später wieder aufgenommen werden, darunter die Suche nach einer so zentralen Figur wie Linus‘ „im Zeitstrom verschollenen“ (oder vielmehr im titelgebenden Zeitriss hängengebliebenen) Papa. Die Haupthandlung des ersten Bandes dreht sich um die Freundschaft Linus‘ mit Riana von Waldenfels, neu in seiner Klasse und laut Charakterbeschreibung „jüngste Gedankenarchitektin des Universums“, und die Aufnahmeprüfung für eine Geheimorganisation („DIE AGENTur“), die so geheim ist dass angeblich nicht einmal Linus‘ Eltern wissen, dass ihr jeweiliger Partner Mitglied ist. Linus steht von Anfang an unter Beobachtung und ist ein Beitrittskandidat, obwohl er ja, wie gesagt, die Talente von Vater und Mutter zunächst nicht geerbt zu haben scheint. Die Prüfung stellt den vorläufigen Höhepunkt der Geschichte dar; das ansonsten offene Ende macht Lust auf mehr, könnte allerdings – wie bereits ein anderer Rezensent bei Amazon.de festgestellt hat – bei der jungen Zielgruppe auch Irritationen hervorrufen. Auch die in dem Kontext unvermeidbare, buchstäblich erfinderische Vielfalt (Mindgame? Traummaschine? Zeit anhalten? Wie hängt das alles zusammen?) muss man erstmal sortiert kriegen. Trotz gewisser Kritik: Eine Geschichte voller herrlich schräger Ideen und Personal mit viel Potenzial für die Zukunft (!), die sich in ihrer sprachlichen Gestaltung auch noch angenehm (vor-)lesen lässt (ich konnte vorerst nur den einen Teil richtig ausprobieren, mein Sohn muss erst noch geboren werden :)) – 4 von 5 Sternen auf jeden Fall!
P.S. Wieder einmal danke an Bloggdeinbuch.de und natürlich Sauerländer für die freundliche Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplars!

Einen Kommentar schreiben